Von Schwert und Stein und Standing Ovations

Von Schwert und Stein und Standing Ovations
Image
13. April 2026
Von Schwert und Stein und Standing Ovations
Von Schwert und Stein und Standing Ovations

Der letzte Zauber wurde gesprochen, die finale Schlacht geschlagen: Insgesamt siebenmal befreite König Artus das Schwert im vergangenen Jahr aus dem Stein im Fernsehstudio der Hochschule Mittweida. Über 130 Mitglieder werkelten ein Jahr lang an Kostüm, Maske, Requisite, Tontechnik, Licht, Schauspiel, Gesang und Tanz, um das Publikum Ende Dezember auf eine magische Reise voller Abenteuer, Intrigen und Romantik zu entführen. Vor allem gesanglich stellte das Musical Artus – Excalibur das Team vor ganz neue Herausforderungen.

Manche Kämpfe wurden in den zahllosen Proben ausgefochten, zum einen in Kostüm und Rolle, zum anderen auch metaphorisch gesprochen. Bis schlussendlich am 11.12.2025 zum ersten Mal der sprichwörtliche Vorhang fiel und ein gleichermaßen angespanntes wie erwartungsvolles Team sein Publikum in Empfang nahm. Wir blicken zurück auf ein intensives und aufregendes Hochschulbühnenjahr.

Eine Szene auf der Bühne zeigt den Moment, in dem eine Figur versucht das Schwert aus dem Stein zu ziehen, umringt vom gespannt zuschauenden Ensemble.

Bevor Artus das Schwert befreite, hatten sich bereits einige mit ihren ganz eigenen „Aus-dem-Stein-Zieh-Techniken“ daran versucht.

“Woher wisst ihr das? Wer ich wirklich bin?”

„Artus – Excalibur“ – Schwert und Stein

Die Reise hin zu einem fertigen Stück beginnt immer mit der Frage: Wer wird uns die Geschichte des tapferen Artus und seiner Ritter erzählen? Wer verkörpert Held und Schurke? Um das herauszufinden, durften sich alle interessierten Darstellenden Anfang des Jahres auf die Rollen bewerben. Über die Vergabe der begehrten Hauptrollen entschied am Ende unter anderem Gesangsleiterin Katrin Storm:Artus stellte an alle Hauptcharaktere hohe Anforderungen. Vor allem die vielen hohen Tenorpartien verlangten große Sicherheit im Umgang mit der eigenen Stimme. Hinzu kamen dann noch Schauspiel und Tanz. Gerade die männlichen Rollen erforderten daher bereits eine gut ausgebaute Stimme, die auch oberhalb der gewohnten Alltagsstimmlage sicher eingesetzt werden konnte. Gleichzeitig sind die einzelnen Figuren sehr unterschiedlich, weshalb wir uns vom Casting eine bessere Einschätzung des jeweiligen Stimmcharakters und damit eine passendere Rollenverteilung versprochen haben. Das galt übrigens ebenso für die Frauenrollen. Einerseits sollten sich die Bewerberinnen und Bewerber intensiv mit den Rollen auseinandersetzen, andererseits ist ein solches Casting auch immer eine erste Hürde, bei der Mut und Engagement sichtbar werden – und zugleich deutlich wird, wie gut die jeweilige Rolle verstanden wurde.“ Gemeinsam mit ihrer Assistentin Laura Pistorius hatte sie die gesangliche Eignung der Vortragenden geprüft.

Im Anschluss wurde schließlich verkündet, wer unseren Artus und unsere Guinevere, unseren Merlin und unsere Morgana verkörpern durfte. Anders als in den Jahren zuvor gab es auch hier eine Neuerung: Statt der üblichen zwei Besetzungen ging die Hochschulbühne mit drei Damen-Besetzungen an den Start. Das eröffnete auf der einen Seite mehr Darstellerinnen die Chance auf ihre Wunschrolle, bedeutete auf der anderen Seite jedoch einen erheblichen logistischen Mehraufwand.

“Man wird später erzähl’n: Heute wurde Geschichte gemacht!”

„Artus – Excalibur“ – Ruhmreiche Schlacht

Nachdem die Rollen geklärt waren, konnten die Proben und Vorbereitungen beginnen. Vor allem Kostüm, Maske und Requisite standen mit Artus – Excalibur vor einer Mammutaufgabe. Um die magische Welt Camelots für das Publikum erfahrbar zu machen, mussten ganze Zauberbücher selbst geschrieben, Zauberstäbe geschnitzt, Gewänder genäht (unter anderem 18! Ritterumhänge in unterschiedlichen Ausführungen) und natürlich nicht zuletzt ein magischer Stein zusammengeklöppelt werden. „Besonders aufwendig war außerdem, dass wir dieses Jahr für sehr viele Darstellende dem Stück zeitlich entsprechende Kostüme brauchten. Allein für die Bauern und Ritter waren das schon unglaublich viele. Gleichzeitig musste das alles irgendwie noch mit dem Budget zusammenpassen“, resümiert Julia Voll, Leiterin des Teams. 

“Eine Schlacht steht an, ein Gemetzel, ein Kampf”

„Artus – Excalibur“ – Morgen Triffst Du Den Tod

Neben dem Schneidern historischer Kostüme und dem Proben historischer Tänze stand für viele der männlichen Darstellenden über die gesamte Probenzeit hinweg auch das Üben im Schwertkampf auf dem Plan. Die Schlachtszenen im Stück forderten Rittern und Bauern körperlich einiges ab. Angeleitet wurde das Ganze von Judith Schäffer, der Leiterin der Schwertkampfabteilung: „Obwohl ich selbst schon Erfahrung mit dem Schwertkampf hatte, war es für mich eine ganz neue Herausforderung, plötzlich andere darin anzuleiten. Gerade am Anfang hatte ich davor großen Respekt. Dass es am Ende so gut funktioniert hat, lag aber auch daran, dass die Jungs mich dabei sehr unterstützt haben. Ich habe ihnen erst die Grundlagen des Schwertkampfs gezeigt und wir haben die Szenen dann gemeinsam so aufgebaut, dass sie zu den einzelnen Personen und ihrem jeweiligen Kampfstil passen.“ Verletzt hat sich während der Proben und Aufführungen glücklicherweise auch niemand, nur einige der Schwerter mussten im Kampfgetümmel dran glauben.

Mehrere Darstellende liefern sich auf einer Theaterbühne in rotem und grünem Licht eine Schwertkampfszene vor einer kriegerischen Projektion im Hintergrund.

In Camelot werden Konflikte noch ganz klassisch geklärt.

“Eine neue Zeit fängt mit uns an!”

„Artus – Excalibur“ – Ruhmreiche Schlacht

Eine zusätzliche Besonderheit in diesem Jahr war die Einführung eines Wochenendes, an dem das gesamte Team gemeinsam in eine Jugendherberge nach Bad Lausick fuhr. Auf engstem Raum konnten dort alle Bereiche zusätzlich zu den wöchentlichen Proben intensiv an ihren Aufgaben arbeiten. Trotz der anstrengenden, teils bis in den späten Abend führenden Proben, war es dieses Ereignis im Probenjahr, was von allen Teammitgliedern im Nachhinein als Highlight angegeben wurde.

Während dieses gemeinsamen Wochenendes probten die Darstellenden auch erstmals gemeinsam mit der Band. Insgesamt 16 Musiker:innen sorgten dafür, dass Artus auch musikalisch mit epischer Wucht auf die Bühne gebracht werden konnte.

Hendrik Kolbert hatte die Orchesterleitung inne: „Das Highlight meiner Arbeit als Orchesterleitung war definitiv die Zusammenarbeit mit den Musiker:innen. Obwohl sie aus ganz unterschiedlichen Fakultäten kamen, sind wir durch unsere gemeinsame Begeisterung für die Musik zu einem Team zusammengewachsen.“ Dass neben aller Professionalität auch der Spaß nicht zu kurz kam, zeigt Hendrik mit einer kleinen Anekdote: „Das Publikum hat es wahrscheinlich nicht gemerkt, aber gegen Ende der Aufführungen habe ich denjenigen Kinder Buenos versprochen, die es schafften, eine bestimmte Melodie unbemerkt ins Stück einzubauen. Ich musste ziemlich viele Buenos abgeben…“

Eine Solistin steht in grünem Licht und Bühnennebel im Mittelpunkt der Szene, während das Orchester erhöht im Hintergrund über das Geschehen blickt.

Unser Orchester hat die Lage von oben voll im Blick.

“Das ist Camelot?”

„Artus – Excalibur“ – Ruhmreiche Schlacht

Als es Ende des Jahres schließlich in die heiße Phase ging und die Proben ins TV-Studio zogen, platzierten wir unsere Band natürlich wieder in der Pole Position, thronend über dem Geschehen. Erneut bildete eine LED-Wand das Herzstück des Bühnenbildes. Doch nicht nur sie entführte das Publikum in die Welt der Ritter der Tafelrunde. Zahlreiche Requisiten mussten ausgeliehen, vorbereitet und rechtzeitig einsatzbereit gemacht werden. „Das im Stück verwendete Trockeneis war eine echte Herausforderung, weil bis kurz vor den Aufführungen nicht ganz sicher war, ob wir das technisch und organisatorisch so hinbekommen“, erinnert sich Julia Voll. Glücklicherweise zählte zur Ausstattung Camelots auch ein Bett, das dem einen oder anderen Teammitglied in den rar gesäten Pausen Backstage als kleine Ruheoase diente.

Damit das Team nach diesen anstrengenden Tagen nicht mit leerem Magen auskommen musste, sorgte das Organisationsteam für fantastischen Nudelsalat, belegte Brötchen und vieles mehr. Der in manchen Szenen eingesetzte Proviant hätte sich dafür nicht geeignet: Er bestand aus Plastik und hätte dem Team entsprechend wohl eher wenig Nährwerte geliefert. Darüber hinaus verantwortete das Team neben vielen weiteren Aufgaben auch den Ticketverkauf und die Sponsorenakquise.

“Heute Nacht fängt es an!”

„Artus – Excalibur“ – Heute Nacht Fängt Es An

Mit Ende der Probenstrecke herrschte in den letzten Stunden vor der ersten Aufführung schließlich alles andere als die bekannte “Ruhe vor dem Sturm”. Vor allem in der Maske herrschte Hochbetrieb. Haare und Frisuren der Darstellenden mussten in Form gebracht werden, und auch hier war der Aufwand in diesem Jahr noch einmal deutlich größer als zuvor. Teilweise wurde sogar mit Perücken gearbeitet.

Komplizierte Flechtfrisuren wurden an allen Darstellenden ausprobiert und immer wieder geübt, bis jeder Handgriff auch in der nötigen Geschwindigkeit sicher saß. Direkt im Anschluss ging es für die Darstellenden weiter zum Verkabeln. Jede und jeder erhielt ein eigenes Mikrofon, das von den Techniker:innen so präzise positioniert und befestigt werden musste, dass es auch in actionreichen Szenen sicher saß und nicht verrutschte.

Das Ensemble steht in dichtem Bühnennebel unter rotem und blauem Licht auf der Bühne, während das Orchester erhöht im Hintergrund spielt.

Die Lichttechnik sorgte für Gänsehautmomente und eine dichte, atmosphärische Stimmung.

Die Aufführungswoche verging wie im Flug. Mit jeder Vorstellung wuchs die Sicherheit auf und hinter der Bühne, und es wurde spürbar, wie sehr das Team in den vergangenen Monaten zusammengewachsen war. Viele Abläufe funktionierten beinahe wie von selbst, sodass die Woche insgesamt beängstigend reibungslos verlief.

Trotz aller Anstrengung blieb die Stimmung gut, und an einem Tag konnte das Team eine wohlverdiente Pause einlegen, um vor allem die Stimmen zu schonen und neue Kraft für die letzten Tage zu sammeln. Eine größere Krankheitswelle blieb der Hochschulbühne in diesem Jahr glücklicherweise erspart, bis auf einige kleinere Ausfälle lief die Veranstaltungswoche nahezu ohne größere Zwischenfälle.

“Wie geht es weiter, wenn der Weg hier scheinbar endet?”

„Artus – Excalibur“ – Was Macht Einen König Aus

Nach acht Tagen voller Aufregung, Lampenfieber, großer Emotionen, Schweiß und Tränen aller Beteiligten schloss die Hochschulbühne Mittweida am 18.12.2025 vorerst wieder ihre Tore – bis zum nächsten Jahr. Das Feedback des Publikums war durchweg positiv, und die Begeisterung über die Leistung aller Mitwirkenden war deutlich spürbar. Wie emotional der Abschluss des Projekts für viele war, fasst Producer Lenny Hoßfeld so zusammen: „Als wir nach der Premiere alle gemeinsam auf der Bühne standen und ich sowohl im Team als auch bei den Gästen begeisterte Augen gesehen habe, dachte ich: Jetzt haben wir es geschafft. Elf Monate harte Arbeit haben sich ausgezahlt. Dass die Veranstaltungswoche dann auch noch mit dem Lothar-Otto-Preis endete, hat das Ganze auf besondere Weise abgerundet. Für mich war das ein wirklich besonderer Moment.“ Der nach dem gleichnamigen Altrektor benannte Lothar-Otto-Preis wird jährlich an herausragende Forschungsarbeiten oder Projekte verliehen.

Großes Gruppenfoto des Teams von Artus – Excalibur gemeinsam mit Vertretern der Hochschule bei der Übergabe eines Preises auf der Bühne.

V. l. n. r.: Hochschulrektor Volker Tolkmitt, Kanzler Ulrich Pietsch und Altrektor Lothar Otto gemeinsam mit dem stolzen Team bei der Übergabe des Preises.

Auch in diesem Jahr verabschiedet die Hochschulbühne viele ihrer Mitglieder, sei es aufgrund von Praktika oder mit dem Abschluss ihres Studiums. So endet die gemeinsame Zeit für viele mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Kein Wunder also, dass bei der Dernierenfeier die ein oder andere Träne floss, als sich die mittlerweile zu Freund:innen gewordenen Teammitglieder auf dem Gruppenfoto gegenseitig mit ihren Signaturen verewigten.

Dass das Projekt für das Team ein voller Erfolg war, zeigt sich auch im Fazit von Projektleiter Mike Winkler: „Einmal das Musical Artus – Excalibur zu inszenieren, gehörte zu meinen großen Wünschen. Mit diesem fantastischen Team war die fast einjährige Probenzeit eine große Freude.“

Umso schöner war es, dass das Team nach den Vorstellungen mit folgender Nachricht belohnt wurde: „Aufgrund der großen Resonanz und einer Gastspiel Einladung des Intendanten des Mittelsächsischen Theaters, kann man Artus – Excalibur noch einmal am 3. und 4.10.2026 im Theater Döbeln sehen.“ Karten gibt es über das Mittelsächsische Theater. Die Hochschulbühne und das Theater Döbeln freuen sich auf ihre Gäste.

Image
Victoria Obermanns
Seit 2024 im Team der Hochschulbühne, Darstellerin und Bereichsleitung Tanz.